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Das Piemont: Barolo, Barbaresco und Barbera




Renato Ferrero
Renato Ferrero

divino Weinhandel arbeitet mit insgesamt drei Rotwein produzierenden piemontesischen Weingütern zusammen, die allesamt als kleine Familienbetriebe geführt werden. Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne die großartigen Rotweine von Adriana Marzi (CAntina del Glicine), von Renato Ferrero (Fratelli Ferrero) sowie von Mariuccia und Ada Borio (Cascina Castlèt) etwas näher bringen.

Das italienische Weinbaugebiet Piemont (von italienisch „piedi dei monti“, etwa: zu Füßen der Berge – die Landschaft wird praktisch von Alpen und Apennin eingerahmt) liegt in der gleichnamigen, nordwestitalienischen Region mit der Hauptstadt Turin. Das Piemont ist die Heimat zweier der wichtigsten roten Rebsorten Italiens: Nebbiolo und Barbera.

Nebbiolo war wahrscheinlich schon zu Beginn unserer Zeitrechnung im Piemont vertreten. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte allerdings erst in einem Dokument vom 1. Dezember 1431. Der Name kommt von „nebbia“, also Nebel. Ob damit die typischen Nebel zur Lesezeit, die oft diesige Luft oder der Reif, der die Trauben im Herbst umhüllt, gemeint sind, ist unklar.

Aus Nebbiolo werden verschiedene Weine gekeltert, von denen die beiden edelsten, nämlich Barolo und Barbaresco, hier behandelt werden sollen. Beide werden in den Langhe, einem Hügelgebiet rund um das im Tanaro-Tal liegende Alba, angebaut, und zwar Barolo südwestlich, Barbaresco dagegen östlich der Stadt.

Mit dem Barolo, nach dem gleichnamigen Ort benannt, ist untrennbar der Name der Adelsfamilie Falletti, der weite Teile des heutigen Anbaugebietes gehörten, verbunden. Sie förderten, zusammen mit Camillo Cavour und König Carlo Alberto von Sardinien-Piemont, in der Zeit des Risorgimento, also der ersten Hälte des 19. Jahrhunderts, entscheidend den Qualitätsweinbau in der Region.

Wie kommt diese Libanon-Zeder auf den Weinberg?
Wie kommt diese Libanon-Zeder auf den Weinberg?

Der Ertrag ist auf 52hl Wein pro Hektar begrenzt. Barolo muss gute drei Jahre reifen, bevor er verkauft werden darf, Barolo Riserva sogar etwas über fünf Jahre.

Die Hauptorte für Barolo sind, neben Barolo, Castiglione Falletto, La Morra, Montforte d’Alba und Serralunga d’Alba. Weitere Weinberge finden sich in Cherasco, Diano d’Alba, Grinzane Cavour, Vovello, Roddi und Verduno. 

Aus Annunziata, einem Ortsteil von La Morra kommen zwei Baroli von den Fratelli Ferrero, deren verbliebener Inhaber Renato Ferrero ist. Beide Weine heißen wie die Einzellagen von der sie stammen: Gattera und Manzoni. Oberhalb der Gattera wächst übrigens eine in Italien recht seltene Libanon-Zeder, 1856 vom damaligen Brautpaar des Nachbarweingutes gepflanzt.

Ein Blick in den Werkzeugkoffer eines Winzers
Ein Blick in den Werkzeugkoffer eines Winzers

Barbaresco wurde ursprünglich nicht von Barolo unterschieden. Erst im Jahr 1894 führten die Winzer aus Barbaresco, Neive und San Rocco Seno d’Elvio den Handelsnamen ein, um sich von Barolo abzugrenzen. Ihre Intention war, einen zugänglichen Wein zu erzeugen, leichter und früher trinkbar als der seinerzeit oft als „schwierig“ geltende Barolo.

Dementsprechend muss Barbaresco auch nur gute zwei Jahre reifen, bevor er in den Handel geht. Die Ertragsbeschränkung ist die gleiche wie beim Barbaresco, was zeigt, dass der Qualitätsanspruch durchaus – und nebenbei gesagt, auch völlig zu Recht – der gleiche ist.

In der Altstadt von Neive befindet sich die Cantina del Glicine. Die Eigentümerin, Adriana Marzi, keltert den feinen Barbaresco von der Einzellage Marcorino, welche komplett dem Weingut gehört. 

Die Barolo-Winzer begegnen dem Problem der langen Reifezeit übrigens, in dem sie Nebbiolo delle Langhe und Nebbiolo d'ALba abfüllen – ein bereits nach zwei bis vier Jahren gut zu trinkender Wein, der weniger tanninhaltig und etwas leichter als der große Bruder ist. Wir empfehlen den Nebbiolo delle Langhe von Renato Ferrero und den barriqueverfeinerten Nebbiolo d'Alba von der Cantina del Glicine.

Eine Renaissance erlebte in den letzten Jahren die ebenfalls rote Barbera-Traube. Sie ist die traditionelle Rebsorte des gesamten Piemonts, seit dem 13. Jahrhundert im piemontesischen Monferrato bekannt. Sie wird in Italien auch in der Lombardei, in der Emilia-Romagna sowie im Veneto angebaut. Barbera ist nach Sangiovese und Montepulciano (nicht zu verwechseln mit den toskanischen Sangiovese-Weinen Nobile und Rosso aus dem Ort Montepulciano) die dritthäufigste rote Rebsorte Italiens. 

Ursprünglich war Barbera Lieferant für anspruchslose Weine, aber das hat sich geändert. Unter der Führung einiger Spitzenwinzer hat sich das Qualitätsniveau beträchtlich gesteigert, so dass Barbera heute bereits Anschluss an Barolo und Barbaresco gefunden hat. Besonders empfehlenswert sind Barbera d’Alba aus den Langhe sowie Barbera d’Asti und Barbera del Monferrato, letztere aus den gleichnamigen Hügellandschaften nördlich und östlich der Langhe. Zwei Jahre gereifte Barberas dürfen sich „Superiore“ nennen.

Auf Barbera hat sich die Cascina Castlèt in Costigliole d'Asti spezialisiert. Die Inhaberinnen, Ada und Mariuccia Borio, steuern gleich drei edle Barberas zum Sortiment von divino bei. Der Barbera "Vespa" ist ein schön geradliniger, robuster, gut ausbalancierter Rotwein, der exzellent zur vonkräftigen Aromen geprägten piemontesischen Küche passt. Der Barbera Superiore "Litina", benannt nach Großtante Litina, die den entsprechenden Weinberg vererbt hat, ist ein hochfeines, alterungsfähiges Gewächs. Der Barbera Superiore "Passum" schließlich wird aus handselektierten, angetrockneten Trauben bereitet und ist somit ein konzentrierter, extraktreicher Wein von wundervoller Komplexität und Aromenvielfalt.

 

Diese Flaschen hat Renato Ferrero vor gut 10 Jahren im Keller vergessen
Diese Flaschen hat Renato Ferrero vor gut 10 Jahren im Keller vergessen

Renato Ferrero keltert einen kräftigen Barrique-Barbera von der Einzellage Goretta. Die Cantina del Glicine stellt zwei Barbera Superiore her. Beide haben gemeinsam, dass sie zur Abrundung ein paar Prozent Nebbiolo enthalten. Der Unterschied besteht im Ausbau: "La Sconsolata" reift in der Flasche, "La Dormiosa" im Barrique.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass im Piemont mit Barriquereifung vernünftigerweise sehr vorsichtig umgegangen wird - sie dient nur der geschmacklichen Verfeinerung. Prominente oder gar dominante Holz- oder Vanilletöne wird man in diesen Weinen nicht finden.

Wenn man einen piemontesischen Gastronomen fragt, welcher Wein denn nun am besten zur regionalen Küche passe, wird er wahrscheinlich antworten, dass er den Barbera vorziehen würde, da er sich, im Gegensatz zu seinen „großen“ Brüdern, zu allen Gerichten hervorragend eigne, sei es nun Bagna cauda, Vitello tonnato, Taglierini burro e salvia oder al tartufo, ein Risotto oder eine Wildspezialität.

Wir sind uns sicher, mit den hervorragenden Weinen von Adriana Marzi aus Neive, Renato Ferrero aus Annunziata di La Morra und den Borios aus Costigliole eine Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot gefunden zu haben, die Ihnen zusagt! 

 
 
 
 

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