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Prosecco
Geschichte und Herkunft
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| Andrea Casalini im Gespräch mit Tobias Voigt | Das heute berühmt-berüchtigte und oft verdorbene Modegetränk war früher "nur" der lokal konsumierte Alltagswein des venezianischen Voralpenlandes. Der echte, ursprüngliche Prosecco wird reinsortig aus der gleichnamigen Rebe gekeltert, ist natürlich perlend ("frizzante"), d.h. mit maximal 2,5 bar Kohlensäuredruck, und trägt die Qualitätsweinbezeichnung "Prosecco D.O.C." oder "Prosecco di Valdobbiadene - Conegliano D.O.C.G. Superiore". Es gibt ihn seit geraumer Zeit aber auch als regulären Stillwein ("Tranquillo") und als Sekt bzw. Schaumwein ("Spumante") mit fünf bar Kohlensäuredruck aus zweiter Gärung. Heute werden die besten, aber auch teuersten Prosecchi meist als Spumante bereitet.
Manche Produzenten verzichten noch auf das Filtern des Weines und lassen ihn, zur besseren Konservierung, "auf der Hefe" liegen: heutzutage dank weiterentwickelter Gärungs-, Lager- und Hygienetechnik unnötig und geschmacklich eher nachteilig.
Originaler Prosecco kommt ausschließlich von den steilen Höhenlagen des beginnenden Alpenvorlandes zwischen den Orten Conegliano und Valdobbiadene in der Provinz Treviso und unterliegt, wie immer in Italien, als Qualitätswein sehr strengen gesetzlichen Herstellungs- und Herkunftsbestimmungen sowie sehr nachlässigen Kontrollen...
Ebenfalls klassifiziert sind Weine mit dem Namen "Glera", einer angeblich historischen Bezeichnung der Rebsorte Prosecco. In dieser weitgefassten Herkunftsbezeichnung tummeln sich Weine verschiedenster Herkunft: brauchare Tropfen, die nur knapp ausserhalb des D.O.C.-Gebiets oder nur teilweise darin wachsen, aber auch Erzeugnisse, deren Herkunftsgebiet man von der Autobahn Milano - Venezia aus besichtigen kann: Diese Weine kommen aus der weiten Ebene vor den Hanglagen, sind also, wegen geringerer Sonneneinstrahlung, schlechterer Grundwasserbedingungen und im Grunde wenig geeigneter Bodenbeschaffenheit, qualitativ in jedem Fall minderwertiger, oft mit anderen Rebsorten verschnitten und haben mit dem eigentlichen Getränk meist nur noch wenig gemein.
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| Valdobbiadene: jeder freie Quadratmeter wird für Weinanbau genutzt | Eine besonders exklusive Variante jedoch ist der "Prosecco di Valdobbiadene Spumante D.O.C.G. Superiore di Cartizze." Diese schäumende, meist restsüße Rarität wächst auf einem einzigen Hang, der der Prosecco-Rebe das optimale Mikroklima und den idealen Boden bietet. Prosecco Cartizze ist unwahrscheinlich feinfruchtig und feinstperlig, von betörenden Fruchtnuancen und unnachahmlicher Eleganz. Die Marktbedeutung geht wegen der verschwindend geringen erzeugten Menge und der kaum erträglichen Preise für Rebland oder Lesegut gegen Null, aber dennoch wird jeder Winzer, der etwas auf sich hält, jedes Jahr ein paar Kisten Cartizze für seine besten Kunden bereithalten...
Problematik einer Erfolgsgeschichte
Ab Mitte der achtziger Jahre fingen größere Winzer, in erster Linie Carpené Malvolti und Mionetto, an, Prosecco massiv zu vermarkten und zu exportieren, zuerst ins restliche Italien, dann ins vorwiegend deutschsprachige Ausland. Ab der 90er Jahre setzte dann ein regelrechter Boom ein, so dass "Prosecco", egal in welcher Form und Variante, zum oft billigen Massenprodukt und Synonym für leichten, prickelnden Weißwein wurde. In gewisser Weise beerbte er somit den "Frizzantino" der Nachkriegs-Adria-Touristen.
Aus vielen ehemals kleinen Winzerbetrieben und Kooperativen sind daher heute große Weinfabriken geworden. Der ständige Expansionsbedarf, gepaart mit zunehmendem Erfolgsdruck der immer größer werdenden Unternehmen, führte zur (von der EU geförderten) Umwandlung von Ackerland in der Ebene zu minderwertigem Rebland in großem Stil, Aufkauf von Lesegut kleiner Weinbauern, Verschnitt mit anderen Rebsorten und Formung eines im Labor geklonten "Firmengeschmacks" aus zig
verschnittenen Einzelweinen. Eine reine Freude ist das nicht.
Es steht daher zu befürchten, dass den Prosecco das gleiche Schlicksal ereilt wie Valpolicella, Bardolino, Soave, Frascati & Co.: das Image im Ausland durch eine Flut von Billigprodukten und immer schlechtere Qualität der großen Marken ramponiert, die berühmtesten Kleinerzeuger preislich unerschwinglich, dazwischen ein auf homöopathische Größe geschrumpftes Mittelfeld von Überzeugungstätern, die zum Glück unverdrossen weitermachen.
Ihnen sollte daher, auch in Zukunft, unsere ganze Aufmerksamkeit gelten, um uns ein einzigartiges Getränk erschwinglich und individuell zu erhalten.
Der Charakter
Der ideale Prosecco Frizzante ist ein frischer, jung zu trinkender, perlender Weißwein von leichter Eleganz und dennoch geschmacklich dichter Konsistenz. Deutliche, von einer gewissen Restsüße gestützte Fruchttöne, insbesondere Birne, Aprikose, Pfirsich und auch etwas Apfel, sowohl in der Nase, als auch auf der Zunge. Sehr säurearm und bekömmlich, dafür manchmal mit einem leichten, an Mandeln erinnernden Bitterton im Abgang. Ein wirklich guter Prosecco Spumante verfügt darüber hinaus über rauschendes Mousseux, etwas mehr Struktur und einen längeren Nachhall.
Prosecco von divino Weinhandel
Wir freuen uns, mit Andrea Casalini aus Colbertaldo einen umtriebigen, kleinen Prosecco-Winzer für uns gewonnen zu haben. Von ihm finden Sie bei divino drei verschiedene Weine: unseren divino.de Prosecco D.O.C. Frizzante, den Prosecco D.O.C. Spumante Extra Dry und, als Spitzenprodukte, den Prosecco di Valdobbiadene D.O.C.G Spumante Extra Dry sowie den Prosecco di Valdobbiadene D.O.C.G. Spumante Dry Millesimato.
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